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Jenny Holzer
*1950 Gallipolis, Ohio, lebt und arbeitet in Hoosick Falls, New York
o.T.
1991
Leuchtdioden, Computer
2 x 1367 cm x 42 cm
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"Denke daran - du hast immer die Wahl" ist eine der unzähligen Lebensweisheiten, Phrasen und Slogans der flimmernden Leuchtschrift-Installation von Jenny Holzer im Lichtturm. In rasanter Geschwindigkeit leuchten und blinken auf einer Länge von über 13 Metern Worte und Muster, die aus roten, grünen und gelben Dioden zusammengesetzt sind. Ständig verändert sich Laufrichtung, Geschwindigkeit und Schrifttype des insgesamt vierstündigen Zyklus.
Der Betrachter wird mit einer Fülle von Banalitäten, Widersprüchen, Ratschlägen und "Weisheiten" überschüttet. Sie spiegeln die alltägliche und jedermann geläufige Informationsflut aus Werbung, Medien und Gesprächen. Die Botschaften lassen sich als das ewige Raunen der Menge verstehen, dem der flüchtige Passant begegnet. Das urbane "Hasten" wird im Museum durch das Tempo und die Verschiedenartigkeit der einprogrammierten Rhythmen der Leuchtbänder simuliert.
Durch die rasche Abfolge und die Geschwindigkeit wird das "Alltags-Gemurmel" in Bruchstücke zerlegt. Die aus der Pop-Art geläufigen Alltagsmotive werden als "vagabundierende" Zitat-Fragmente im Sinne der Postmoderne präsentiert. Erst als Gesprächsfetzen erhalten die Sprüche eine scheinbare Bedeutsamkeit und Gedankentiefe. Sie offenbaren ihre eigene Logik, ihre eigene Poesie, bis sie schließlich mit zunehmender Geschwindigkeit zu - sinnentleerten - graphischen Mustern werden.
Fasziniert von dem Übergang zwischen Botschaft und Rätsel, Gehalt und Sinnlosigkeit, hatte Jenny Holzer Ende der siebziger Jahre damit begonnen, Sprüche und Binsenweisheiten zu sammeln - Zitate aus dem Fundus des New Yorker "melting-pot" und seiner Sprach- und Gedankenvielfalt. Ihr Kompendium ordnete Jenny Holzer systematisch in "Truism", "Inflammatory Essays", "Living", "Survival". Die Aachener "Anthologie" lässt sich als Zusammenfassung dieser Sprach-Serien verstehen. Zunächst hatte Jenny Holzer ihre Aphorismen und Lebensweisheiten auf Plakatwänden, Eisenbahnwagen, Straßenschildern, Handzetteln und T-Shirts "veröffentlicht". Schließlich nutzte sie die neue Technik der computergesteuerten Anzeigetafeln, Werbeflächen und Lichtbänder an Plätzen, Flughäfen und Hochhäusern zur Erweiterung ihres Aktionsraums.
Ihre erste Arbeit auf einem elektronischen Leuchtschriftband realisierte die New Yorker Künstlerin 1982 am Times-Square. 1991 - anlässlich der Eröffnung des Ludwig Forums konzipierte die Künstlerin zwei Leuchtbänder eigens für den Lichtturm des Museums, wo sie seither fest installiert sind. Die digitalen Lichtmuster lassen den Lichtturm in den Farben der "citylights" erstrahlen und definieren die Ausstellungshalle zur städtischen Platzanlage.
(Annette Lagler)
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