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Mona Hatoum
*1952 Beirut, Libanon, lebt und arbeitet in London
Wenig Raum II
1992
Metall, Drehmotor, Glühbirne
10,15 x 4 m |
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"Short Space II" von 1994 führt in eine fensterlose, dunkle Kammer, die parallel zum Grundriß auf vier Seiten von einem gitterartigen Eisennetz umschlossen ist. Der Abstand von Gitter und Wand beträgt etwa 50 cm, so dass für den Betrachter kaum Raum bleibt, das Werk zu umschreiten. In der Mitte hängt von der Decke eine nackte Glühbirne, die sich kontinuierlich in langsamem Rhythmus auf- und abbewegt.
Die Schatten der Gitter bringen den Raum zum Schwanken. Die Gitter lassen an ein Gefängnis denken, in dem der Betrachter das Gefühl bedrückender Enge hautnah erlebt. Sie sind aus Sprungfedern für Bettgestelle gefertigt, beziehen das Thema Eingesperrtsein auf das mit "Bett" assoziierte Geschlechterverhältnis und auf den Voyeurismus westlicher Kulturen. Die Raster vermitteln mathematisches Kalkül. Diese rationale Klarheit wird jedoch durch den hypnotisierenden Rhythmus der Glühbirne, der jedes Zeitgefühl ausschaltet, durchbrochen. Das "Auf und Nieder" der Schatten stört den Gleichgewichtssinn und verunsichert.
Mona Hatoum lässt den Betrachter persönliche Erfahrungen nachempfinden. Die Künstlerin, die mit dem Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs 1975 nach London ging, entwickelte eine Kunst sparsamster Mittel, die Gefühle wie Unfreiheit, Ohnmacht und Unterdrückung wiedergibt. Biografisch lassen sich diese Themen auf ihr Leben im Exil, auf ihre politischen Erfahrungen im Libanon und auf das Leben einer palästinensischen Frau beziehen. Gleichzeitig zeigen die Werke anthropologische Archetypen, Ur-Gefühle, Ur-Ängste.
Nach Abschluss ihres Kunststudiums in London wandte sich Mona Hatoum Anfang der achtziger Jahre zunächst Performances zu. Die Installation "Short Space II" - die die Künstlerin zwischen 1992 und 1994 vielfach variierte (z.B. "Light Sentence" und "Socle du Monde"), lässt noch deutlich theatralische, performative Elemente erkennen. Mitte der Achtziger wechselte sie zur Installations- und Videokunst, zur Skulptur und später auch zur Fotografie. Das im Zuge der Globalisierungsdiskussion der achtziger Jahre gewachsene Interesse an kulturgeografisch auslotbaren Identitäten, der Kunst des "Fremden" und an "Exil-Künstlern" rückte das Werk Mona Hatoums in den Blick der Öffentlichkeit. 1994 stellte sie im Centre Pompidou aus, 1995 in der Tate Modern und auf der Biennale Venedig, im selben Jahr wurde sie für den Turner-Preis nominiert.
"Short Space II" gehörte zu den Arbeiten der 5. Biennale von Havanna, die 1994 im Ludwig Forum ausgestellt waren und von Peter Ludwig erworben wurden. Den Ort der endgültigen Aufstellung bestimmte Mona Hatoum selbst und wählte einen Raum im Untergeschoß, auf den sie die Arbeit "maßgeschneidert" abstimmte.
(Annette Lagler)
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