Ludwig Forum fuer Internationale Kunst

Ludwig Forum : Sammlungen : Hauptwerke : Andy Warhol

Andy Warhol

Andy Warhol
* 1928 Pittsburg, + 1987 New York

Campbell's Soup Can I
1968
Mappe mit 10 Siebdrucken
je 89 x 58,5 cm

Andy Warhol, Campbell's Soup Can I, 1968, Mappe mit 10 Siebdrucken, je 89 x 58,5 cm

Der Name "Warhol" machte die Sammlung Ludwig berühmt, "Ludwig" wiederum machte Warhol - als einer der ersten Sammler der Pop Art - europaweit bekannt. Mit einem Paukenschlag wurde 1969 neue Kunst aus Amerika in Aachen präsentiert, mit dabei waren auch Werke des späteren Pop Art Stars Andy Warhol. Heute befinden sich vier wertvolle Arbeiten in der Sammlung des Ludwig Forums. "Saturday´s  Popeye" von 1960 ist die früheste Arbeit des Künstlers, sie erinnert an seine Zeit als Werbegrafiker. Im April 1961 war sie Teil einer von Warhol entworfenen Schaufensterdekoration. Hier zierte das Popeye-Werk zusammen mit Warhols Comic-Bildern Little King und Superman den Hintergrund der Sommermodenkollektion. Schon in den 60er Jahren avancierten Warhols "Warenprodukte", "Sensationen" und "Stars" zu Ikonen der Kunst-Society.

"Wall Paper-Cow" sind 3 qm eines Tapetenmusters mit der auch Leo Castelli 1966 erstmalig seine Galerie-Räume tapeziert hatte. Heliumgefüllte silberne Kissen schwebten an der Decke. Der nüchtern weiße Ausstellungsraum hatte eine üblicherweise mit "wohnlich" assozierte Bemusterung mit "Farmer-Motiv" erhalten, allerdings in poppigen, schrillen Farben. Der Ausschnitt in Aachen zeigt sechs rosarote Kuhhäupter im Dreiviertel-Profil, paarweise angeordnet auf gelbem Grund. Die Rasterpunkte verdeutlichen, daß ein Zeitungsfoto als Vorlage diente. Über die Herkunft und den Zusammenhang des Fotos werden eines Tages möglicherweise die Time Capsules von Warhol, der üblicherweise nichts wegwarf, Auskunft geben können. Vorerst bleiben dem Betrachter jedoch nur Vermutungen: Warhol, der das Motiv Verviefältigung immer wieder umsetzte, könnte hier auf das Thema des Klonens gestoßen sein: 1963 gelangen erste Klonversuche, 1966 wurde der genetische Code entschlüsselt; jedoch erst über dreißig Jahre später wurden in Japan erste Kälber geklont. Zugleich erinnert die glücksverheißende rosarote Farbe der Kühe an indische Religionslehre, auf die sich auch die 1966 in New York gegründete Krishna-Gruppe berief, die gewaltfreie landwirtschaftliche Tierhaltung proklamierte. Es ließe sich aber auch an "Red Bull" mit all seinen Facetten und "Cow-Boy" im Sinne amerikanischer Wildwest-Romantik denken. Die Assoziationsmöglichkeiten sind außerordentlich breit gefächert. Sie reichen vom Markenzeichen zum Symbol amerikanischen Nationalstolzes, von der Reproduzierbarkeit des Menschen, zur Heiligsprechung aller Lebewesen. Das Gesamt-Panoptikum entsprach Warhols Vision einer "Brave New World" in der alles Künstliche verehrt wurde. So sind die Kühe, wie der Titel sagt, aus Papier und auch die Unterschrift, die jeden einzelnen Kuhkopf veredelte, ist aufgedruckte Signatur. Nichts ist "echt", dafür aber "en masse".

Während "Wall Paper-Cow" die Vorstellung von Individualität von Mensch und Lebewesen unterwanderte, erhalten Warenprodukte wie "Campbell's Suppendosen" umgekehrt Porträtcharakter. Campbell's Suppendose beschäftigte Warhol in Zeichnungen und Gemälden, dramatisch zerbeult oder auf Hochglanz gebracht, seit 1961. 1968 fertigte Warhol eine zehnteilige Serie mit allen Geschmacksrichtungen als Siebdruck. In einem enorm aufwändigen Verfahren musste jedes Blatt sechs verschiedene Druckvorgänge durchlaufen: erst wurde rot, dann  weiß, gold, silbern, schwarz  und schließlich der rote Schriftzug des einzelnen Suppentypus gedruckt. Für diese Serie hatte Warhol Form und Design der Dose veredelt - durch wertvoll erscheinende Druckfarben wie Gold und Silber und stilisierte Schattenkanten. Warhol schuf  kein realistisches Abbild sondern eine Werbegrafik für ein bereits existierendes Produkt. Für Warhol war die kleine Dose eine Art "Held". Er hob sich deutlich von den in den 60er Jahren in Amerika üblichen TV Dinners ab; ihm wurde daher durch künstlerische Gestaltungsprinzipien wie Monumentalisierung, Zentrierung etc ehrenvoll gehuldigt. Die im alltäglichen Gebrauch in Vergessenheit geratene Bedeutung der Goldplakette, die  seit 1900 jede Dose zierte, erinnerte daran, daß Campbell's Suppe anlässlich der Pariser Weltausstellung von 1900 die Goldmedaille für besonderen Geschmack verliehen worden war. Sie war der Beweis, daß sich eine Konserve aus Amerika international und - wie auf der Plakette zu lesen universal - behauptet hatte und vom Land aller Gourmets ausgezeichnet worden war. Diese Plakette mit der Aufschrift "Exposition Universel International 1900" in Gold mit Verweise auf eine antike Göttin, stellte die "heimliche" Verbindung zur Kunst her, denn sie zierte nun auch das Kunstwerk als besonders geschmackvolles Bild.

Die jüngste Warhol Arbeit der Sammlung stammt von 1980 und zeigt in dreifacher Ausführung das Porträt von Prof. Peter Ludwig. Ähnlich wie die Kuh-Tapete so ging die Arbeit auf ein Foto zurück, daß Ludwig  im Dreiviertel-Profil zeigt. Warhol hatte seit den späten 60ern begonnen, Abbildungen von Stars und berühmten Persönlichkeiten zu vervielfältigen. Foto-Vergrößerung und Hintergrundfarbe wurden maschinell hergestellt, die den Kopf dekorativ und auratisch nachskizzierenden farbigen Linienbündel sollten Warhols Handschrift suggerieren.

(Annette Lagler)

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